Grenzwertig ist die Panzergeburtstagsfeier für unseren Martin Luther fürwahr. Denn das Christentum zu reformieren und uns Deutschen dabei eine waschechte Glaubensspaltung zu bescheren, ist alles andere als eine Leistung, die gewürdigt werden sollte. Jedoch haben unsere Altvorderen Luther in die Regensburger Walhalla aufgenommen und Männer wie unser General Ludendorff oder unser Denker Fichte halten große Stücke auf Luther. Anno 1483 erblickte dieser im sächsischen Eisleben das Licht der Welt, studierte ab Anno 1501, wurde Mönch und löste mit seinem Thesenanschlag Anno 1517 in Wittenberg die Reformation aus… Unser Fichte ist von dieser ganz begeistert und geht in seinen berühmten Reden an unsere deutsche Nation ausführlich auf diese ein:

Auf diese Weise nun fiel die Einsicht, die lange vor ihm sehr viele Ausländer wohl in größerer Verstandesklarheit gehabt hatten, in das Gemüt des deutschen Mannes, Luther. An altertümlicher und feiner Bildung, an Gelehrsamkeit, an andern Vorzügen übertrafen ihn nicht nur Ausländer, sondern sogar viele in seiner Nation. Aber ihn ergriff ein allmächtiger Antrieb, die Angst um das ewige Heil und dieser ward das Leben in seinem Leben und setzte immerfort das letzte in die Wage und gab ihm die Kraft und die Gaben, die die Nachwelt bewundert. Mögen andere bei der Reformation irdische Zwecke gehabt haben, sie hätten nie gesiegt, hätte nicht an ihrer Spitze ein Anführer gestanden, der durch das Ewige begeistert wurde; daß dieser, der immerfort das Heil aller unsterblichen Seelen auf dem Spiel stehen sah, allen Ernstes allen Teufeln in der Hölle furchtlos entgegenging, ist natürlich und durchaus kein Wunder. Dies nun ist ein Beleg von deutschem Ernst und Gemüt. Daß Luther mit diesem rein menschlichen, und nur durch jeden selbst zu besorgenden Anliegen an alle und zunächst an die Gesamtheit seiner Nation sich wendete, lag, wie gesagt, in der Sache. Wie nahm nun sein Volk diesen Antrag auf? Blieb es in seiner dumpfen Ruhe, gefesselt an den Boden durch irdische Geschäfte und ungestört fortgehend den gewohnten Gang, oder erregte die nicht alltägliche Erscheinung gewaltiger Begeisterung bloß sein Gelächter? Keineswegs, sondern es wurde wie durch ein fortlaufendes Feuer ergriffen von derselben Sorge für das Heil der Seele und diese Sorge eröffnete schnell auch ihr Auge der vollkommenen Klarheit und sie nahmen auf im Fluge das ihnen Dargebotene. War diese Begeisterung nur eine augenblickliche Erhebung der Einbildungskraft, die im Leben und gegen dessen ernsthafte Kämpfe und Gefahren nicht Stand hielt? Keineswegs, sie entbehrten Alles, und trugen alle Martin und kämpften in blutigen zweifelhaften Kriegen, lediglich damit sie nicht wieder unter die Gewalt des verdammlichen Papsttums gerieten, sondern ihnen und ihren Kindern fort das allein seligmachende Licht des Evangeliums schiene; und es erneuten sich an ihnen in später Zeit alle Wunder, die das Christentum bei seinem Beginnen an seinen Bekennern darlegte. Alle Äußerungen jener Zeit sind erfüllt von dieser allgemein verbreiteten Besorgtheit um die Seligkeit. Sehen Sie hier einen Beleg von der Eigentümlichkeit des deutschen Volkes. Es ist durch Begeisterung zu jedweder Begeisterung und jedweder Klarheit leicht zu erheben und seine Begeisterung hält aus für das Leben und gestaltet dasselbe um.“

Luthers Schrift über den Feind und seine Lügen ist indes von bleibendem Wert und sollte gelesen werden: https://archive.org/details/VonDenJudenUndIhrenLuegen

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Erwin Rommel, unser deutscher Wüstenfuchs und Panzerheld hat heute Geburtstag! Denn Anno 1891 im schwäbischen Heidenheim erblickte unser Held das Licht der Erdenwelt. Als Panzerführer in Gallien und als Heerführer in Nordafrika und in der Normandie zeichnete er sich aus. Ob er den Sturz unseres alten Reiches hätte abwenden können, wissen wir nicht. Es ist jedoch sehr bezeichnend, daß die Engländer unser deutsches Afrikakorps bei El Alamein erst anzugreifen wagten, als unser Wüstenfuchs Rommel zur Kur in der Heimat abgereist war; ebenso ist unsere Abwehrfront in der Normandie erst zusammengebrochen, als unser Wüstenfuchs tödlich verwundet worden ist. In den „Erinnerungen eines Soldaten“ von unserem Panzerheinz Guderian finden wir übrigens so manche Nachricht aus dem Leben unseres Wüstenfuchs: https://archive.org/details/heinz-guderian-erinnerungen-eines-soldaten-1960

„Ich beantragte Ende September den erforderlichen Urlaub durch die Vermittlung des hierfür zuständigen Generals Fromm, des Befehlshabers des Ersatzheeres, der mich bat, ihn aufzusuchen. Wenige Tage zuvor hatte ich von Rommel aus Afrika die telegrafische Mitteilung erhalten, daß er krankheitshalber nach Deutschland zurückkehren müsse und bei Hitler beantragt habe, mir seine Stellvertretung zu übertragen. Dieser Antrag wurde aber von Hitler abgelehnt. (…) In München, in den „Vier Jahreszeiten“, traf ich Feldmarschall Rommel zu einem Austausch von Erfahrungen vom afrikanischen Kriegsschauplatz.“

In seinem berühmten Panzerbuch „Krieg ohne Haß“ stürzt sich unser Rommel nun auf die nichtsahnenden Engländer in der Cyrenaica und schlägt diesen tüchtig aufs Haupt:

„Die Enge von Mersa-Al-Brega war das erste Ziel des für Mai befohlenen Angriffes auf die gegnerischen Kräfte im Raum um Agedabia. Nachdem wir die Briten aus El-Agheila vertrieben hatten, setzten sich diese auf den beherrschenden Höhen bei Mersa-Al-Brega und südlich der Sebcha bei Bir-Suera fest und begannen, dort Stellungen auszubauen. Dies sahen wir mit großem Mißfallen, dem ließ man dem Gegner Zeit, diese von Natur aus starke Stellung auszubauen, zu verdrahten und zu verminen, so besaß er ein Gegenstück zu unserer Stellung bei Mugtaa, die nur schwer anzugreifen und südlich zu umgehen war. Denn auch das Gelände südlich des Wadi Faregh, etwa 25 Kilometer südlich von Mersa-Al-Brega, war sehr sandig und nur schwer mit Fahrzeugen zu überqueren. Ich stand also vor der Alternative, entweder bis zum Eintreffen aller meiner Truppen Ende Mai zu warten und damit den Briten Gelegenheit zu geben, die Stellung derart auszubauen, daß ein Angriff nur schwer zum gewünschten Erfolg führen kann, oder die noch nicht ausgebaute gegnerische Position bei Mersa-Al-Brega anzugreifen und mit unseren geringen Kräften zu nehmen. Ich entschloß mich zu letzterem, in der Annahme, daß ein Angriff verhältnismäßig schwacher eigener Kräfte uns jetzt noch in den Besitz der Engen bringen könnte. Diese Stellung aber eignete sich in gleicher Weise für unsere Zwecke wie der Abschnitt von Mugtaa und stellte gleichzeitig eine günstige Bereitstellungs- und Aufmarschposition für den im Mai beabsichtigten Angriff dar. Durch ein Unternehmen gegen Mersa-Al-Brega konnten ferner reichliche Wasservorkommen nutzbar gemacht werden. Am 31. März rollte der Angriff gegen die Briten bei Mersa-Al-Brega an. In den frühen Morgenstunden kam es zu einem heftigen Gefecht mit britischen Aufklärungstruppen. Am Nachmittag standen Truppen der V. leichten Division im Angriff gegen die eigentliche Mersa-Al-Brega Stellung, die von den Engländern hartnäckig verteidigt wurde. Dort lief unser Angriff fest. Ich selbst war mit meinem Stabschef Oberstleutnant von dem Borne und Aldinger den ganzen Tag über auf dem Gefechtsfeld gewesen und erkundete nachmittags die Angriffsmöglichkeiten nördlich der Küstenstraße. Hier wurde in den späten Abendstunden das MG-Bataillon VIII angesetzt, das in zügigem Angriff durch das wellige Dünengelände vorstoßend den Gegner nach Osten zurückwerfen und die Enge von Mersa-Al-Brega in Besitz nehmen konnte. Der Rückzug der englischen Kräfte war anscheinend ziemlich überstürzt erfolgt. 50 Brenn-Carriers und etwa 30 Lastkraftwagen wurden erbeutet. Für den 1. April befahl ich, im Raum Mersa-Al-Brega aufzuschließen. Die Meldungen der Luftwaffe zeigten klar die rückläufige Tendenz der gegnerischen Bewegungen. Auch Aufklärungsverbände, die General Streich ausgesandt hatte, vermittelten uns diesen Eindruck. Ich konnte der günstigen Gelegenheit nicht widerstehen und gab den Befehl, den Gegner bei Agedabia anzugreifen und diesen Ort zu nehmen, obwohl ein derartiges Unternehmen erst für Ende Mai befohlen war. Am 2. April rollte die V. leichte Division beiderseits der Via Balbia auf Agedabia vor. Die gegnerischen Verminungen bereiteten keine besonderen Schwierigkeiten. Die Italiener folgten der Division auf der Küstenstraße. Schon nachmittags wurde Agedabia nach kurzem Kampf genommen und unsere vordersten Teile preschten bis in die Gegend von Zuetina. Inzwischen war das Panzerregiment V, das im Süden der Via Balbia unseren Schwerpunkt bildete, auf britische Panzer gestoßen und mit diesen in Gefechtsberührung gekommen. Bald standen sieben gegnerische Panzer brennend auf dem Schlachtfeld. Wir verloren nur drei Kampfwagen. Der Gegner hatte sich bei diesem Gefecht in Araberzelten hervorragend getarnt und war auf diese Weise überraschend in Einsatz gekommen. Am Abend hatten wir den Raum um Agedabia bis in die Gegend 20 Kilometer östlich dieses Ortes besetzt. Wieder schlossen die Italiener auf. Am 3. April verlegte ich meinen Gefechtsstand nach Agedabia. Der Gegner rollte zurück und schien die Cyrenaica zu räumen. Anscheinend hielt er uns für außerordentlich stark. Hierbei spielten wohl auch die Panzerattrappen eine entscheidende Rolle. Am Vormittag wurde uns gemeldet, daß 20 gegnerische Panzer 30 Kilometer nördlich von Agedabia stünden. Leutnant Berndt wurde von mir beauftragt, diese Meldung nachzuprüfen. Er fuhr daraufhin auf der Straße nach Bengasi bis nach Magrun vor, stellte fest, daß es sich um italienische Kampfwagen handelte, die auf dem Rückzug liegengeblieben waren. Wir hatten nun etwa 800 Briten gefangengenommen. Die Engländer wollten anscheinend auf jeden Fall einen Entscheidungskampf vermeiden. Noch am Nachmittag entschloß ich mich daher, dem weichenden Gegner auf den Fersen zu bleiben und, wenn möglich, die ganze Cyrenaica im Handstreich zu nehmen. Um dieses Vorhaben zu realisieren, setzte ich sofort eine Vorausabteilung der Ariete unter dem Befehl von Oberst Fabris in Marsch auf Ben-Ganina, und der V. leichten Division wurde der Befehl gegeben, die Aufklärungsabteilung III entlang der Via Balbia auf Bengasi anzusetzen. Zwar hatte General Streich wegen des Zustandes der Fahrzeuge Bedenken, aber ich ließ diese nicht gelten, denn einmalige Chancen kann man nicht wegen Bagatellen verstreichen lassen.“

Die Psychologie des Orgiasmus als eines überströmenden Lebens- und Kraftgefühls, innerhalb dessen selbst der Schmerz noch als Stimulans wirkt, gab mir den Schlüssel zum Begriff des tragischen Gefühls, das sowohl von Aristoteles als in Sonderheit von unsern Pessimisten missverstanden worden ist. Die Tragödie ist so fern davon, Etwas für den Pessimismus der Hellenen im Sinne Schopenhauers zu beweisen, dass sie vielmehr als dessen entscheidende Ablehnung und Gegen-Instanz zu gelten hat. Das ja sagen zum Leben selbst noch in seinen fremdesten und härtesten Problemen; der Wille zum Leben, im Opfer seiner höchsten Typen der eignen Unerschöpflichkeit frohwerdend – das nannte ich dionysisch, das erriet ich als die Brücke zur Psychologie des tragischen Dichters. Nicht um von Schrecken und Mitleiden loszukommen, nicht um sich von einem gefährlichen Affekt durch dessen vehemente Entladung zu reinigen – so verstand es Aristoteles -: sondern um, über Schrecken und Mitleid hinaus, die ewige Lust des Werdens selbst zu sein, – jene Lust, die auch noch die Lust am Vernichten in sich schließt…“ (Friedrich Nietzsche, Götzendämmerung)

Man merkt es: Am alten Griechen Aristoteles kommt man nicht vorbei, wenn man sich mit unseren deutschen Denkern befaßt. Daher wollen auch wir Panzertiere ihm unsere Ehrerbietung nicht versagen. Von 384 bis 322 vor hat er gelebt und in Athen seine Denkschule, benannt nach der dortigen Wandelhalle eröffnet. Zwischendurch hat er noch den Welteroberer Alexander unterrichtet und geriet zuletzt in die Wirren seiner Zeit. Als einer der größten Denker des Abendlandes begründete er viele naturwissenschaftliche Fachrichtungen und seine Schriften über die Dichtkunst, Metaphysik, Redekunst, Logik, Staatskunst und Sittenlehre sind auch heute noch von großem Wert. Vielleicht sogar von größerem als jemals zuvor, da sie zur VS-amerikanischen Umerziehung – namentlich so Unfug wie dem Rasentisch oder der englischen Geschlechterlehre – passen wie die Faust aufs Auge. In seiner Staatskunst lasse ich nun noch den Aristoteles die VSA und ihre liberalen Vasallenstaaten in Europa der Gewaltherrschaft überführen (und das nicht nur wegen der Bespitzelung der Bürger): https://archive.org/details/aristotelouspoli02arisuoft

Zum Teil ist es das bereits längst Angeführte, was so weit als möglich der Erhaltung der Tyrannis dient: die Überragenden beseitigen, die Stolzen wegschaffen und keine Syssitien gestatten, keine Klubs und keinerlei Erziehung und nichts dergleichen, sondern alles verhindern, woraus Stolz und gegenseitiges Vertrauen zu entstehen pflegen, ebenso auch keine Muße und feiertäglichen Zusammenkünfte gestatten, sondern alles tun, damit alle Bürger einander gegenseitig so fremd als möglich bleiben (denn wenn man sich kennt, gewinnt man leichter Vertrauen zueinander). Außerdem sollen die ansässigen Bürger immer kontrollierbar sein und sich stets außer dem Hause aufhalten; denn so können sie am wenigsten heimlich etwas unternehmen und werden sich an demütige Gesinnung gewöhnen, da sie immer in Knechtschaft gehalten werden. Dazu kommt, was sonst noch dergleichen persische und barbarische Tyrannensitten sind (denn all das bezweckt dasselbe). Weiterhin wird sich der Tyrann bemühen, stets zu wissen, was die Untertanen sagen oder tun; er unterhält Beobachter, wie in Syrakus die sogenannten Potagogiden, und wie Hieron die Otakusten aussandte, wo immer eine Zusammenkunft und eine Versammlung stattfand; denn dann reden die Menschen weniger offen, da sie diese Horcher fürchteten, und wenn sie offen reden, wird es leichter bekannt. Außerdem wird der Tyrann die Menschen gegeneinander aufhetzen, Freunde untereinander und das Volk gegen die Angesehenen und die Reichen untereinander. Er wird auch die Untertanen arm machen, um seine eigene Wachmannschaft besolden zu können, und damit sie dauernd ihrem Lebensunterhalt nachgehen müssen und keine Zeit zu Konspirationen haben. Ein Beispiel dafür sind die ägyptischen Pyramiden, die Weihgeschenke der Kypseliden und der Bau des Olympions durch die Peisistratiden, dann die Bauten des Polykrates in Samos; denn all dies verfolgt dasselbe Ziel, Beschäftigung und Verarmung der Untertanen. Dazu kommen die Steuern wie in Syrakus, wo unter Dionysios im Verlauf von fünf Jahren sämtliche Vermögen als Steuern eingezogen wurden. Der Tyrann ist auch kriegerisch, damit die Leute beschäftigt sind und dauernd auf einen Anführer angewiesen. Das Königtum wird durch die Freunde erhalten, die Tyrannis dagegen durch das Mißtrauen gegenüber den Freunden, da alle dem Tyrannen ans Leben wollen, diese es aber am meisten können. Was ferner in der vollendeten Demokratie geschieht, ist alles auch tyrannisch, die Frauenherrschaft im Haus, damit sie über die Männer berichten, und zu demselben Zweck die Großzügigkeit den Sklaven gegenüber. Denn Sklaven und Frauen geben dem Tyrannen nichts zu fürchten, und wenn es ihnen gut geht, werden sie zwangsläufig sowohl der Tyrannis wie auch der Demokratie gegenüber loyal sein. Denn auch das Volk will Alleinherrscher sein. Darum wird auch der Schmeichler bei beiden geschätzt, in der Demokratie der Volksführer (der Volksführer ist ja der Schmeichler des Volks) und bei den Tyrannen diejenigen, die sich demütig und eben als Schmeichler benehmen. Darum liebt die Tyrannis auch die schlechten Menschen. Denn sie liebt, daß man ihr schmeichelt, und das wird keiner von freier Gesinnung tun, sondern die Anständigen lieben, aber sind keine Schmeichler. Zudem sind die Schlechten zu schlechten Taten zu gebrauchen; ein Nagel schlägt den andern, wie das Sprichwort sagt. Der Tyrann hat auch keine Freude an Würde und freier Art. Denn dergleichen erlaubt er nur sich allein, wer aber ihm gegenüber Würde und Freiheit bewahrt, raubt dem Tyrannen seine Überlegenheit und sein Herrentum. Solche Menschen werden dann wie Verschwörer gehaßt. So geht der Tyrann auch lieber mit ausländischen Freunden und Gästen um als mit einheimischen; denn diese sind seine Feinde, die andern sind gleichgültig. Solche Dinge also gehören zur Tyrannis und erhalten sie, und es fehlt dabei keine Schlechtigkeit. Man kann sie in drei Gruppen zusammenfassen. Denn die Tyrannis strebt nach drei Dingen, einmal nach Unterwürfigkeit der Untertanen (der Demütige stellt niemanden nach dem Leben), dann nach dem gegenseitigen Mißtrauen der Untertanen (denn die Tyrannis geht erst dann unter, wenn einige sich gegenseitig aufeinander verlassen können; darum bekämpfen sie auch die Anständigen, weil sie der Herrschaft gefährlich sind, und zwar nicht bloß darum, weil diese nicht despotisch regiert werden wollen, sondern auch darum, weil sie sich selbst und andern Vertrauen schenken und weder sich noch andere anklagen), und drittens nach deren Unfähigkeit zu handeln; denn keiner versucht Unmögliches, und keiner, der nicht die nötige Macht dazu hat, greift eine Tyrannis an.“

„Wer seinen treuen Freunden aus Stolz den Rücken kehrt

Und ihnen zur Beschämung nur immer Fremde ehrt,

Dem werde gleiche Münze von Höheren beschert.

Daß ihn der oft umarmte und beste Freund nicht achte,

Sollt er sein Bürge werden für Leben ihm und Gut.

Ich hab es wohl erfahren, daß, wer voll Wankelmut,

Dem angebornen Freunde die Not einst wiederbrachte.

Das wird durch Gottes Fügung wohl öfter noch geschehn,

Denn diesem Sprichwort muß man stets Wahrheit zugestehn:

Es werden Schwert und Freundschaft in Not erprobt sich sehn.“

Dichtete unser Walther von der Vogelweide und wird daher zum Ehren-Nibelungen ernannt und bekommt deshalb unsere deutsche Nationalsage zum Jahrestag seiner urkundlichen Erwähnung (in der Filmfassung von Anno 1966): https://www.youtube.com/watch?v=LxvVGt52wv8 Erwähnt wurde unser Minnesänger Anno 1203 im Rechnungsbuch des Passauer Bischofs. Seine Lebenszeit schätzt man von Anno 1170 bis Anno 1230, wobei man sich an die Angaben seiner Dichtungen hält. Unser Minnesänger kommt nämlich immer mal wieder auf die Irrungen und Wirrungen seiner Zeit zu sprechen.

Mit unserem Gerhard von Scharnhorst wurde uns Deutschen am heutigen Tag Anno 1755 (in Bordenau) fürwahr ein großer Heerführer geboren. Unter den Argusaugen Napoleons baute dieser unsere preußische Armee wieder auf und legte zugleich die Grundlagen für deren plötzliche Vermehrung, die dann dem Napoleon zum Verhängnis geworden ist. Die Größe von Scharnhorsts Verdienst mag man daran ermessen wie wenig Napoleon gegen die neue preußische Armee von 1813 auszurichten vermochte, wovon uns Clausewitz in seinem Feldzugsbericht nun erzählt:

„Eben die Gründe, welche von einer letzten Anstrengung des Generals von Blücher zur Wiedereroberung des verlorenen Terrains keinen entscheidenden Erfolg für das Ganze hoffen, dabei aber eine höchst gefährliche Lage für das Blüchersche Korps befürchten ließen, bestimmten das Armeekommando die Schlacht auf diesem Punkt etwa zwischen drei und vier Uhr Nachmittags abzubrechen und den Rückzug zu befehlen. Dieser geschah unter diesen Umständen in völliger Ordnung in zwei Kolonnen. Die russischen Truppen des Zentrums und des linken Flügels gingen über Hochkirch auf Löbau; die preußischen Truppen über Wurschen auf Weißenberg. General Barklay aber und General Kleist nebst der preußischen Kavalleriereserve stellten sich auf den vorteilhaften Höhen von Gröditz wieder auf, um den Marschall Ney und den General Lauriston hier aufzuhalten, was auch mit Erfolg den ganzen Abend hindurch geschah, so daß die Generale von Blücher und von York Zeit hatten, Weißenberg mit der Queue ihrer Kolonnen zu passieren. Diese Maßregel war um so nötiger, als der Feind aus der Gegend von Baruth es viel näher nach Weißenberg hatte, als die Generale v. Blücher und v. York aus der Gegend von Kreckwitz und Purschwitz. Der Feind folgte im Zentrum wenig oder gar nicht. Auch in dieser Schlacht hatte der Feind kein einziges Geschütz erobert und wenig oder gar keine Gefangene gemacht. Und wenn er diesmal die Alliierten aus einem Teil ihrer Stellung wirklich verdrängt hatte, so war es mit so großen Opfern an Menschen geschehen, daß man ohne Übertreibung seinen Verlust auf das Doppelte des unsrigen annehmen kann, da die alliierte Armee höchstens 12- bis 15,000 Tote und Blessierte hatte, während der Feind, wie schon gesagt, allein 18,000 Blessierte nach Dresden abführen ließ. – Solche Siege sind es gewiß nicht, auf welche der Kaiser Napoleon gerechnet hat. Er ist gewohnt gewesen seinem Gegner mit verhältnismäßig geringem Verlust entscheidende Niederlagen beizubringen, um dadurch einen schnellen, übereilten Frieden abzubringen. So fordert es die Natur seiner ganzen Lage als Eroberer. Jetzt aber, nachdem er in Rußland das unerhörte Unglück erlebt hat und dadurch in eine größere Bedrängnis gekommen ist als je, jetzt war es ihm doppelt und dreifach Bedürfnis, durch glänzende Siege die erwachten Hoffnungen Europas niederzudonnern und die sich rüstenden neuen Feinde zurückzuschrecken. Offenbar ist dies nicht geschehen. Er muß sich hier mit halben Vorteilen begnügen, die dem Strome, der gegen ihn gerichtet ist, nur einen schwachen Damm entgegenstellen, während hinter ihm neues Verderben über seine Macht und seine Pläne einbricht und Lord Wellington als Sieger von Vitoria an der französischen Grenze steht. Wir haben also keine Ursache, uns über unsere Lage zu beklagen, und dürfen überzeugt sein, daß Beharrlichkeit, Ordnung, Mut und Vertrauen uns zu unserm Ziel führen werden trotz der zeitigen Vorteile, mit welchen sich der Feind über uns voreilig brüstet und die ihm keine gereiften Früchte tragen werden. Von Weißenberg und Löbau zog sich die alliierte Armee am 22. auf Görlitz zurück. Die Arrieregarde hatte bei Reichenbach ein kleines Gefecht, welches der französischen Armee einen Marschall und zwei Generale, dem Kaiser Napoleon einen Freund kostete. Der Kaiser nämlich, unwillig, daß seine Generale der Avantgarde keine Gefangenen einsendeten von einer geschlagenen Armee, übernahm auf einen Tag selbst den Befehl über dieselbe, um es ihnen zu lehren. Unsere Arrieregarde stand bei Reichenbach; sie war sehr zahlreich an Kavallerie und Artillerie und wünschte sehr mit der französischen Kavallerie zu einem Gefecht zu kommen. Es entstand eine Kanonade und einige feindliche Kavallerieregimenter zeigten sich wirklich. Diese aber wurden leicht zurückgeworfen, und bei der Kanonade fand sich, daß eine verhängnisvolle Kugel ganz in der Nähe des Kaisers den französischen General Kirschner tot niederwarf, dem Marschall Duroc den Leib aufriß und den General Labruyere tödlich verwundete. Der Kaiser, erschüttert durch diesen Sensenhieb des Schicksals, der sich so nahe unter seinen Augen zutrug und seinen liebsten Freund wegraffte, wandte sein Pferd schweigend um und es blieb seitdem bei der alten Art, zu verfolgen. Von Görlitz zog sich die alliierte Armee wieder in zwei Kolonnen: über Naumburg am Queiß, Bunzlau, Haynau, und über Lauban, Löwenberg, Goldberg, Striegau nach dem Lager von Piltzen bei Schweidnitz zurück, wo sie den 1. Juni eintraf. Die preußische Armee befand sich nebst dem Korps des Generals Barklay in der Kolonne des rechten Flügels, welche über Haynau marschierte. Da es in der Absicht lag, den Rückzug so langsam als möglich fortzusetzen, ohne sich in ein allgemeines Gefecht zu verwickeln, und da die feindliche Avantgarde nach und nach anfing, unsere Arrieregarde stärker zu drängen, so beschloß der General v. Blücher der feindlichen Avantgarde ein Versteck zu legen und sie für ihre Dreistigkeit zu bestrafen. Die Gegend hinter Haynau bot dazu eine gute Gelegenheit dar. Von Haynau nach Liegnitz kommt man, eine Viertel-Stunde hinter Haynau, in das Dorf Michelsdorf, und von diesem Dorfe bis Doberschau, welches eine halbe Meile davon liegt, ist die Gegend völlig eben und frei. Nur die Dörfer Pantenau und Steudnitz, welche in einem Wiesenthal liegen, bilden wieder einen Terrainabschnitt. Rechts der Ebene zieht sich ein durchschnittenes Terrain fort, welches mit dem Dorfe Überschaur anfängt, aus einem ganz flachen Grunde und einzelnen kleinen Wäldern besteht. So zieht sich die Gegend fort bis Baudmannsdorf, welches mit Doberschau ungefähr in gleicher Höhe, aber eine halbe Meile rechts davon liegt.“

Wir feiern heute den Geburtstag Kaiser Heinrichs IV. – natürlich mit unserem Panzergetränk Met. Die Regierungszeit Kaiser Heinrichs IV. war keine sonderlich ruhige – aber selbst Karl und Otto der Große hatten immer mal wieder mit Aufständen zu kämpfen, so gesehen bewegt sich auch die Zeit Kaiser Heinrichs IV. im üblichen Rahmen. Was unseren Kaiser Heinrich hervorhebt ist die Feindseligkeit der Geistlichkeit, da er sich mit dem Papsttum um die Einsetzung der hohen Kirchenämter gestritten hat. Und da die Geschichtsschreibung damals Sache der Mönche war, so erscheint Kaiser Heinrich IV. auch entsprechend unvorteilhaft darin. Lampert von Hersfeld gehört zu diesen mönchischen Feinden unseres dritten Saliers. Entsprechend ergreift er immerzu die Partei der Feinde Heinrichs und unterstellt diesem stets schlimme Absichten. Als Beispiel hierfür mag sein Bericht über die Anklage gegen den Herzog Otto von Bayern dienen:

„Großes Ansehen am königlichen Hofe und den bedeutendsten Einfluß in der Regierung des Reiches hatte zu jener Zeit Otto, der Herzog der Bayern. Aber wie immer den Ruhm Mißgunst zu begleiten pflegt, so beneideten ihn sehr viele schlechte Menschen, welche sich beschwerten, daß seine Macht und sein allzu hoher Name ihrer Bosheit im Wege stehe, und sie suchten eifrig nach einer günstigen Gelegenheit, ihn zu unterdrücken. Daher stifteten sie einen gewissen, zwar frei geborenen, aber durch jede Art von Lastern berüchtigten Menschen, mit Namen Engino, insgeheim zum Untergang und Verderben desselben an. Dieser brachte wider ihn die Beschuldigung vor, er habe ihn zur Ermordung des Königs durch viele Bitten und Verheißungen oftmals angereizt, und zur Beglaubigung dieses Vergebens zeigte er ein Schwert und versicherte, daß ihm dieses zu jenem so verbrecherischen und ruchlosen Gebrauche gegeben worden; leugne es jener, so sei er erbötig, durch jedes Gericht seine Worte wahr zu machen. Kaum wurde diese Anklage kund, so traten alle die, welche Otto einmal um des gemeinen Besten willen verletzt hatte, erbittert und feindselig gegen ihn auf und bestrebten sich aus allen Kräften, mit größter Anstrengung den Zorn des Königs gegen ihn zu entflammen. Der König also lud ihn mit den übrigen Fürsten nach Mainz zur Tagsatzung, trug vor, was angezeigt worden wäre und, da er leugnete, gab er ihm eine Frist auf sechs Wochen, auf daß er sich zum ersten August zu Goslar einfinde und hier den ihm gemachten Vorwurf im Zweikampfe mit seinem Ankläger durch eigene Hand widerlege. Als man nun auf diese Beredung hin auseinandergegangen war, da begannen die Fürsten über die Unbilligkeit der Auflagen sich zu beschweren und sagten, es sei weder gut noch billig, daß ein Mann von der edelsten Herkunft und dem unbescholtensten Namen, der niemals durch den geringsten Flecken eines ungünstigen Gerüchts verunreinigt sei, kämpfen solle mit dem lasterhaftesten Menschen, welcher, wenn er auch etwas Adel von seinen Ahnen ererbt, dieses durch Diebstahl, Straßenraub, kurz alle schändlichen Laster schon längst verwirkt hätte. Otto jedoch, voll Entrüstung über die Unwürdigkeit jener Beschuldigung und stark im Vertrauen auf Gott, den Zeugen und Mitwisser seiner Unschuld, wollte lieber mit einem jeden, sei er auch seiner unwert, selbst ohne Rücksicht auf seine hohe Geburt sich messen, als mit dem Verdacht eines so großen Frevels behaftet bleiben. Er kam also am bestimmten Tage mit einer bewaffneten Schar in die Nähe von Goslar und meldete dem Könige durch Boten, daß er, wenn man ihm vergönne, sicher zu kommen und sicher seine Sache zu verteidigen, bereit sei, sich zu stellen und unter der Bedingung, welche die Fürsten des Reichs für billig erkannt hätten, die Anschuldigung, die gegen ihn vorgebracht sei, zu widerlegen. Der König antwortete darauf trotzig und bitter. Er sage ihm weder beim Kommen noch bei der Verhandlung seiner Sache Frieden oder Sicherheit zu, sondern er erwarte bloß, daß er, der Beredung gemäß, persönlich nach Goslar komme und, wenn er seiner Unschuld gewiß zu sein glaube, im Einzelkampfe mit seinem Gegner Gott, dem gerechtesten Richter, die Sache anheim stelle; täte er dies nicht, so werde er nicht weiter auf die Erwägung verschiedener Gesetze oder den Streit der Meinungen Rücksicht nehmen, sondern ihn eines so abscheulichen Frevels für überführt und geständig halten. Als dem Herzoge diese Antwort überbracht war, so schien es denen, welche sein Bestes wünschten, für ihn weder sicher noch ehrenvoll genug, daß er sich dem so sehr gegen ihn entbrannten Jähzorn des Königs zu Spott und Mißhandlung preisgäbe, da ihm schon jetzt, wo die Sache noch unentschieden und die Schuld nicht erwiesen sei, kein sicheres Geleit verstattet wäre, was man doch sowohl nach göttlichem wie nach weltlichem Rechte jedem Angeklagten in allen Rechtshändeln vergönnt habe. Nachdem ihm so die Hoffnung auf Gnade benommen war, zog er sich unverrichteter Sache auf seine Besitzungen zurück, indem er es für ratsamer hielt, sein Leben so lange als möglich mit den Waffen zu beschirmen, als sich zur Sättigung des Hasses seiner Gegner wie ein Stück Vieh schmählich abschlachten lassen.“

Unser großer deutscher Dichter Friedrich von Schiller wurde Anno 1759 im schwäbischen Marbach geboren. Das wird natürlich mit unserem altdeutschen Panzergetränk Met gefeiert. Meine Wahl fällt ebenfalls auf eine Stelle in Schillers Jungfrau von Orleans. In dieser bestimmten Stelle läßt unser Schiller seine Johanna auf einen Engländer namens Montgomery treffen und diesem manche gemeine Dinge an den Kopf werfen: http://www.zeno.org/Literatur/M/Schiller,+Friedrich/Dramen/Die+Jungfrau+von+Orleans

„JOHANNA.

Du bist des Todes! Eine britsche Mutter zeugte dich.

MONTGOMERY (fällt ihr zu Füßen).

Halt ein, Furchtbare! Nicht den Unverteidigten

Durchbohre. Weggeworfen hab ich Schwert und Schild,

Zu deinen Füßen sink ich wehrlos, flehend hin.

Laß mir das Licht des Lebens, nimm ein Lösegeld.

Reich an Besitztum wohnt der Vater mir daheim

Im schönen Lande Wallis, wo die schlängelnde

Savern‘ durch grüne Auen rollt den Silberstrom,

Und fünfzig Dörfer kennen seine Herrschaft an.

Mit reichem Golde löst er den geliebten Sohn,

Wenn er mich im Frankenlager lebend noch vernimmt.

JOHANNA.

Betrogner Tor! Verlorner! In der Jungfrau Hand

Bist du gefallen, die verderbliche, woraus

Nicht Rettung noch Erlösung mehr zu hoffen ist.

Wenn dich das Unglück in des Krokodils Gewalt

Gegeben oder des gefleckten Tigers Klaun,

Wenn du der Löwenmutter junge Brut geraubt,

Du könntest Mitleid finden und Barmherzigkeit,

Doch tödlich ists, der Jungfrau zu begegnen.

Denn dem Geisterreich, dem strengen, unverletzlichen,

Verpflichtet mich der furchtbar bindende Vertrag,

Mit dem Schwert zu töten alles Lebende, das mir

Der Schlachten Gott verhängnisvoll entgegenschickt.

MONTGOMERY.

Furchtbar ist deine Rede, doch dein Blick ist sanft,

Nicht schrecklich bist du in der Nähe anzuschaun,

Es zieht das Herz mich zu der lieblichen Gestalt.

O bei der Milde deines zärtlichen Geschlechts

Fleh ich dich an. Erbarme meiner Jugend dich!

JOHANNA.

Nicht mein Geschlecht beschwöre! Nenne mich nicht Weib.

Gleichwie die körperlosen Geister, die nicht frein

Auf irdsche Weise, schließ ich mich an kein Geschlecht

Der Menschen an, und dieser Panzer deckt kein Herz.

MONTGOMERY.

O bei der Liebe heilig wallendem Gesetz,

Dem alle Herzen huldigen, beschwör ich dich.

Daheimgelassen hab ich eine holde Braut,

Schön wie du selbst bist, blühend in der Jugend

Sie harret weinend des Geliebten Wiederkunft,

O wenn du selber je zu lieben hoffst, und hoffst

Beglückt zu sein durch Liebe! Trenne grausam nicht

Zwei Herzen, die der Liebe heilig Bündnis knüpft!

JOHANNA.

Du rufest lauter irdisch fremde Götter an,

Die mir nicht heilig, noch verehrlich sind. Ich weiß

Nichts von der Liebe Bündnis, das du mir beschwörst,

Und nimmer kennen werd ich ihren eiteln Dienst.

Verteidige dein Leben, denn dir ruft der Tod.

MONTGOMERY.

O so erbarme meiner jammervollen Eltern dich,

Die ich zu Haus verlassen. Ja gewiß auch du

Verließest Eltern, die die Sorge quält um dich.

JOHANNA.

Unglücklicher! Und du erinnerst mich daran,

Wie viele Mütter dieses Landes kinderlos,

Wie viele zarte Kinder vaterlos, wie viel

Verlobte Bräute Witwen worden sind durch euch!

Auch Englands Mütter mögen die Verzweiflung nun

Erfahren, und die Tränen kennenlernen,

Die Frankreichs jammervolle Gattinnen geweint.

MONTGOMERY.

O schwer ists, in der Fremde sterben unbeweint.

JOHANNA.

Wer rief euch in das fremde Land, den blühnden Fleiß

Der Felder zu verwüsten, von dem heimschen Herd

Uns zu verjagen und des Krieges Feuerbrand

Zu werfen in der Städte friedlich Heiligtum?

Ihr träumtet schon in eures Herzens eitelm Wahn,

Den freigebornen Franken in der Knechtschaft Schmach

Zu stürzen und dies große Land, gleichwie ein Boot,

An euer stolzes Meerschiff zu befestigen!

Ihr Toren! Frankreichs königliches Wappen hängt

Am Throne Gottes, eher rißt ihr einen Stern

Vom Himmelwagen, als ein Dorf aus diesem Reich,

Dem unzertrennlich ewig einigen! – Der Tag

Der Rache ist gekommen, nicht lebendig mehr

Zurückemessen werdet ihr das heilge Meer,

Das Gott zur Länderscheide zwischen euch und uns

Gesetzt, und das ihr frevelnd überschritten habt.

MONTGOMERY (läßt ihre Hand los).

O ich muß sterben! Grausend faßt mich schon der Tod.

JOHANNA.

Stirb, Freund! Warum so zaghaft zittern vor dem Tod,

Dem unentfliehbaren Geschick? – Sieh mich an! Sieh!

Ich bin nur eine Jungfrau, eine Schäferin

Geboren, nicht des Schwerts gewohnt ist diese Hand,

Die den unschuldig frommen Hirtenstab geführt.

Doch weggerissen von der heimatlichen Flur,

Vom Vaters Busen, von der Schwestern lieber Brust

Muß ich hier, ich muß – mich treibt die Götterstimme, nicht

Eignes Gelüsten, – euch zu bitterm Harm, mir nicht

Zur Freude, ein Gespenst des Schreckens würgend gehn,

Den Tod verbreiten und sein Opfer sein zuletzt!

Denn nicht den Tag der frohen Heimkehr werd ich sehn,

Noch vielen von den Euren werd ich tödlich sein,

Noch viele Witwen machen, aber endlich werd

Ich selbst umkommen und erfüllen mein Geschick.

– Erfülle du auch deines. Greife frisch zum Schwert,

Und um des Lebens süße Beute kämpfen wir.

MONTGOMERY (steht auf).

Nun, wenn du sterblich bist wie ich und Waffen dich

Verwunden, kanns auch meinem Arm beschieden sein,

Zur Höll dich sendend Englands Not zu endigen.

In Gottes gnädge Hände leg ich mein Geschick.

Ruf du Verdammte deine Höllengeister an,

Dir beizustehen! Wehre deines Lebens dich!

JOHANNA (allein).

Dich trug dein Fuß zum Tode – Fahre hin!

Erhabne Jungfrau, du wirkst Mächtiges in mir!

Du rüstest den unkriegerischen Arm mit Kraft,

Dies Herz mit Unerbittlichkeit bewaffnest du.

In Mitleid schmilzt die Seele und die Hand erbebt,

Als bräche sie in eines Tempels heilgen Bau,

Den blühenden Leib des Gegners zu verletzen,

Schon vor des Eisens blanker Schneide schaudert mir,

Doch wenn es Not tut, alsbald ist die Kraft mir da,

Und nimmer irrend in der zitternden Hand regiert

Das Schwert sich selbst, als wär es ein lebendger Geist.“

Man muß unseren Schiller aber fragen, ob diese seine Namenswahl sonderlich klug war, da unsere Karo die ihr gegebene Anregung schon in ihren Panzerdichtungen aufgegriffen hat…

Anno 1494 wurde Hans Sachs zu Nürnberg geboren, als Schuster wäre dieser wohl schon lange vergessen worden, der er aber auch als Dichter fleißig am Werke war, so kennt man ihn noch immer. Damit das auch so bleibt gebe ich zu seinem Geburtstag ein paar seiner Verse zum Besten, die er an seinen König Ferdinand, den Bruder Kaiser Karls V. gerichtet hat und in denen sich unser Dichter unter anderem darüber Sorgen macht, daß unsere deutsche Willkommenskultur gegenüber den Türken doch sehr zu wünschen lassen könnte:

„Als ich am sambstag vor fasnacht

daheim feirabent het gemacht,

hört ich das volk mit großem haufen

alles hin für dem markt zu laufen;

was da wolt werden, west ich nit,

ich nam mein rock und loff auch mit.

balt ich hinfür kam auft fleischbrucken,

sach ich von meisterlichen stucken

ein künstenreiche festin henken,

oben über die gaßen schwenken,

mit grünem laubwerk, güldin knöpfen,

welschen gewächsen, löwenköpfen,

mit granatäpfeln, pomeranzen,

gut conterfet, daraus wart glanzen

manch edle frucht, löblich gebilt;

mitten daran da hieng ein schilt.

den markt ich weiter aufwerts gieng,

da widerumb ein festin hieng,

über die gaßen schwenket frei,

und aufwerts sach ich ir noch drei

hangen hinauf biß an die vesten.

die zu schauen daucht mich am besten;

mit fleiß beschaut ichs alle sander,

eine war anderst den die ander

geziert, mancherlei art versetzt;

mein herz in freuden wart ergetzt.

weiter gieng ich, mit kurzen worten,

und sach der vesten undre pforten

mit einem schönen triumphbogen

ringweis oben herumb umbzogen,

daran manch landes wappen hieng.

durch die pforten ich aufwerts gieng,

funt alle gemach in der vesten

versorgt, versehen nach dem besten,

geschmückt und ziert mit allem rat.

als ich wider gieng rab int stat,

fant ich wol auf zwölf hundert man

wol gerüst in fußharnisch stan

mit partisan und hellenparten.

ich wundert mich, auf wen sie warten,

wan sie stunden zu beiden seiten,

als solt man zwischen in hin reiten,

hert an einander man und man

zu öberst bei der vesten an

biß herab an die fleischbrucken.

vom volk wart ein gestöß und drucken;

dergleich in allen gaßen wol

sach ich heuser und fenster vol

von herrn, bürgern, kindern und frauen,

unden und oben herausschauen;

auch sach ich an von dem rathaus

die gaß mit sant bestreut hinaus

ganz sauber biß fürs frauentor.

alda sach ich auch sten darvor

gerüster man wol auf drei hundert

in harnisch, das mich ser verwundert,

stunden geteilt zu beiden seiten;

durch sie sach ich wol einher reiten

in schwarz bekleit etlich mit decken,

etlich mit felles und watsecken,

doch einzig, iezt drei, darnach zwen

auf kleppern; als ich so wart sten,

sach ich auch her reiten von ferren

fünf aus dem rat der eltern herren

in iren mädren schauben schwarz,

die ritten zu dem tor auswartz,

wol auf drei hundert pfert, bereit

gar köstlich, all in rot bekleit.

etlich herren in schwarz darunder;

ich schaut sie an mit großem wunder,

was dises alles solt bedeuten;

in dem ersach ich undern leuten

des größern rates ein genanten,

ein guten freunt, mir wol bekanten,

an dem ich dise ding erfragt.

der wundert sich und zu mir sagt:

seit ir in diser großen gmein

der ding unwißend gar allein,

das römisch könglich majestat

einreiten wirt zu abent spat?

der sint zu ern all ding bestelt,

wie es die alt ordnung inhelt.

habt ir denn auch nicht hören sagen,

das aus der stat vor zweien tagen

ausrittn zwen herrn vom rat in eil

gerüst entgegen siben meil,

da man köngliche majestat

zu Sulzbach wol empfangen hat?

dergleich die fünf herrn, iezt gesehen,

werden auf ein meil in der nehen

könglich majestat auch empfahen.

in dem wir all beid tragen sahen

ein himel von rotem damast,

von güldin fransen wol gefaßt;

auf iedem eck ein adler stunt

mit ausgeworfnen flügeln, und

ieder ein schild het in sein klaen,

daraus dreir köngreich wappen sahen.

dem himel folgten auch von ferren

des innern rats all ander herren

in mädren schauben für das tor,

zu empfahen zunechst darvor

auch königliche majestat,

die sich herbei genehert hat.

in dem wart von des volkes meng

ein groß gestöß und hart gedreng;

in dem da leut man alle glocken,

da wurt ein jubel und frolocken

von jung und alten, groß und kleinen;

ir vil wurden vor freuden weinen

ob irem natürlichen herren.

in dem zog durch das tor von ferren

unser gerüster zeug voran,

die in den tag beleitet han,

auf die sein zeug, in schwarz bekleit,

mit gringen pferden, darauf reit

sein adl und herren, wol staffiert,

in sammat und ketten geziert;

auf die sein edel knaben ritten,

in sammat schwarz höflich beschnitten,

auf die ritt könglich majestat.

vier junger herren aus dem rat

trugen den himel, wie gebürt;

ein bloßes schwert man im vorfürt;

drei ritten hinder in von fern,

auf die unser fünf alte hern,

und nach disen in schwarz bekleit

der köngisch zeug gerüstet reit.

den folgten nach, fein ausgesundert,

unser obgemelte drei hundert,

vil von den erbarn der geschlechten,

von kaufherren und reisig knechten.

als man den markt nun aufhin ruckt,

wart sanct Sebaldi kirch geschmuckt

im chor mit artlichen und schönen

teppichen, darin man wolt krönen

römisch königlich majestat

nach altem brauch; weil es war spat,

zog sie für aufwerts auf die vest,

da man die königlichen gest

beleitet biß hinein das schloß

mit herrlichkeit und freuden groß.

balt ließ könglicher majestat

gen hof schenken ein erbar rat

zwen wegen mit habren hinein,

darzu auch ein wagen mit wein,

ein mit reinfal und malvasir.

der vorgmelt sprach wider zu mir:

iezunt bin ich auch ingedenk

auf morgen der könglichen schenk,

nemlich ein güldin scheuren, secht,

mit neuen goltgülden, geprecht

könglicher majestat, allsamen

mit ir umbschrift, wappen und namen.

dergleichen auch ein erbar rat

ein feurwerk aufgerichtet hat

außen auf der neuen bastei,

sechs böler auch bestelt darbei,

wirt man brennen morgen zu nacht.

das und mer anders wirt verbracht

könglicher majestat zu eren,

ir frölichkeit und freud zu meren,

darmit ein gmein und erbar rat

erzeigt könglicher majestat

iren geneigten guten willen,

den sie vor hat gespürt ob vilen

in dem heiling römischen reich;

doch wirt könglich majestat gleich

biß montag widerumb weg reiten,

das sie eilent in kurzen zeiten

ins Niderland ir reis vollent,

da irer zukunft warten sent

römisch keiserlich majestat,

das sie beid mit zeitigem rat

dem türken widerumb begegen,

der aber sich ist gwaltig regen

in großer rüstung durch sein tück.

zu dem geb in got heil und glück

in dem und allem des geleich,

dardurch das heilig römisch reich

großmechtig wert, sich mer und wachs,

das wünscht in von Nürmberg Hans Sachs.“

„Die verlorene Ordnung und Einheit macht oft selbst den Widerstand einzelner verderblich; der Mut des Ganzen ist gebrochen, die ursprüngliche Spannung über Verlust und Gewinn, in welcher die Gefahr vergessen wurde, ist aufgelöst, und den meisten erscheint die Gefahr nun nicht mehr wie eine Herausforderung des Mutes, sondern wie das Erleiden einer harten Züchtigung. So ist das Instrument im ersten Augenblick des feindlichen Sieges geschwächt und abgestumpft und darum nicht mehr geeignet, Gefahr mit Gefahr zu vergelten. Diese Zeit muß der Sieger benutzen, um den eigentlichen Gewinn an der physischen Kraftzerstörung zu machen; nur was er an dieser erreicht, bleibt ihm gewiß, die moralischen Kräfte kehren in dem Gegner nach und nach zurück, die Ordnung wird hergestellt, der Mut wieder gehoben, und es bleibt in der Mehrheit der Fälle nur ein sehr geringer Teil von dem errungenen Übergewicht zurück, oft gar keins, und in einzelnen, obgleich seltenen Fällen entsteht wohl gar durch Rache und stärkeres Anfachen der Feindschaft eine umgekehrte Wirkung. Dagegen kann, was an Toten, Verwundeten, Gefangenen und eroberten Geschützen gewonnen ist, niemals aus der Rechnung verschwinden. Die Verluste in der Schlacht bestehen mehr in Toten und Verwundeten, die nach der Schlacht mehr in verlorenem Geschütz und Gefangenen. Die ersten teilt der Sieger mit dem Besiegten mehr oder weniger, die letzten nicht, und deshalb finden sie sich gewöhnlich nur auf der einen Seite des Kampfes oder wenigstens dort nur in bedeutender Überzahl. Kanonen und Gefangene sind darum jederzeit als die wahren Trophäen des Sieges betrachtet worden und zugleich als der Maßstab desselben, weil sich an ihnen sein Umfang unzweifelhaft kundtut.“ (Carl von Clausewitz, Vom Kriege)

Heißt es in der grauen Theorie und so will ich – zur Feier des Jahrestages der Schlacht von Roßbach – unseren Helden Friedrich den Großen einmal darlegen lassen wie die Verfolgung und Einsammlung der Kriegstrümmer in der Praxis aussehen: http://friedrich.uni-trier.de/de/volz/4/1/

„Das Wetter war trübe und die Dunkelheit schon so groß, daß eine Verfolgung unklug gewesen wäre, trotz des wilden Durcheinanders der Flucht. Der König begnügte sich damit, Kürassier-, Dragoner- und Husarenabteilungen, keine über 30 Mann stark, hinterdrein zu schicken. Während des Kampfes hatten 10 Bataillone auf dem rechten preußischen Flügel mit geschultertem Gewehr dagestanden, ohne zu feuern. Prinz Ferdinand von Braunschweig, der sie kommandierte, hatte den Braunsdorfer Sumpf, der einen Teil seiner Front deckte, garnicht verlassen, sondern nur die ihm gegenüberstehenden Reichstruppen mit einigen Kanonenschüssen verjagt. So waren also nur sieben preußische Bataillone ins Feuer gekommen, und die ganze Schlacht hatte bis zur Entscheidung nur anderthalb Stunden gedauert. Am nächsten Tage bei Morgengrauen brach der König mit den Husaren und Dragonern auf, um den Feinden nachzusetzen. Sie hatten sich auf Freiburg zurückgezogen. Die Infanterie erhielt Befehl, auf derselben Straße zu folgen. Die feindliche Nachhut war noch in Freiburg. Die Dragoner saßen ab und vertrieben einige feindliche Abteilungen aus den Gärten. Dann traf man Anstalten zur Erstürmung des Schlosses, aber der Feind wartete das garnicht erst ab, sondern zog sich eiligst über die Unstrut zurück und verbrannte die Brücken hinter sich. Inzwischen kamen die kleinen Abteilungen, die der König am Abend der Schlacht abgesandt hatte, einzeln zurück. Sie brachten teils gefangene Offiziere, teils Soldaten, ja auch Kanonen mit. Keine einzige erschien mit leeren Händen. Unterdessen wurde die Brücke über die Unstrut schleunigst wiederhergestellt, sodaß sie bereits binnen einer Stunde wieder benutzbar war. Die Soubisesche Armee hatte sich aber auf so vielen Straßen zerstreut, daß man nicht wußte, auf welcher man sie verfolgen sollte. Da die Bauern versicherten, der Großteil der Flüchtigen habe die Richtung nach Eckartsberga eingeschlagen, so marschierte der König dorthin. Den ganzen Tag über machte man immerfort neue Gefangene. Alle nach verschiedenen Seiten entsandten Detachements brachten welche ein. In Eckartsberga fand man aber ein Korps Reichstruppen, etwa 5000 bis 6000 Mann stark. Da der König keine andre Infanterie bei sich hatte als das Mayrsche Freibataillon, so legte er es nebst Husaren in ein Gehölz in der Nähe des feindlichen Lagers in einen Hinterhalt und befahl ihnen, den Feind die ganze Nacht durch zu beunruhigen. Verdrossen über die Störung ihrer Nachtruhe, räumten die Reichstruppen ihre Stellung und verloren dabei 400 Mann und 10 Kanonen. Lentulus, der ihnen am nächsten Tage bis Erfurt nachsetzte, nahm ihnen noch weitere 800 Gefangene ab und brachte sie zum König. Die Schlacht bei Roßbach hatte Soubise 10,000 Mann gekostet, darunter 7000 Gefangene. Außerdem erbeuteten die Preußen 63 Kanonen, 15 Standarten, 7 Fahnen und ein Paar Pauken.“

Bei Roßbach standen sich Anno 1757 rund 50,000 Welsche (und Reichstruppen) und 25,000 Preußen gegenüber. Friedrich der Große hat hier also eine doppelte Übermacht geschlagen.

Anno 39 wurde der römische Dichter Lucan in Cordoba geboren. Selbigen verdanken wir das Epos Pharsalia, das den Bürgerkrieg zwischen Julius Cäsar – unserem möglichen Erschaffer – und Pompejus dem Großen schildert. Seinen Reiz entfaltet die Dichtung Lucans dadurch, daß sie aus der Sichtweise der Unterlegenen geschrieben ist und man sich als Deutscher beim Lesen stark an den Sechsjährigen Krieg und seine Folgen erinnert fühlt. Übersetzt hat uns die Pharsalia unser Gelehrter Julius Krais. Mit Cäsars Marsch auf Rom geht es weiter: https://archive.org/details/desmarkusannusl00kraigoog

Als er den Feldherrn sah, der mancherlei Sorgen im Busen

Wälzte, begann er: „So lange das Wort zu stützen vermochte,

Cäsar, deine Partei, auch gegen den Willen der Väter,

Zogen wir hin das Amt, da, den Rednerstuhl zu behaupten,

Mein Recht war, und für dich die unschlüssigen Bürger zu lenken.

Aber nachdem die Gesetze verstummt, vom Kriege gezwungen,

Treibt man uns aus der Heimat hinweg, und willig erdulden

Wir die Verbannung; dein Sieg macht einst zu Bürgern uns wieder.

Da nun, von keiner Stärke geschirmt, noch schwanken die Gegner,

Säume nicht mehr; den Gerüsteten bringt nur Schaden der Aufschub;

Müh’ und Gefahr ist gleich nachher, nur teurer zu kaufen.

Ein Jahrzehnt hat Gallien dich im Kriege beschäftigt;

Welch ein gering Stück Erde! Doch, wenn du nur wenige Schlachten

Schlugest leichten Erfolgs, legt Rom dir zu Füßen den Erdkreis.

Jetzt empfängt bei der Heimkehr nicht dich die Pracht des Triumphzugs,

Und es begehrt nicht das Kapitol den errungenen Lorbeer.

Fressender Neid versagt dir Alles; der Völker Bezwingung,

Straflos bleibt sie dir kaum; der Herrschaft berauben den Schwäher,

Ist des Eidams Entschluß. Nicht teilen kannst du den Erdkreis,

Ganz ihn haben, das kannst du.“ So spricht er, und steigert dem Feldherrn,

Der schon zum Kriege geneigt, doch weiter noch so die Entrüstung

Und entflammt ihm den Sinn, wie oft das Geschrei noch ermutigt

Einen Renner in Elis, obgleich im verschlossenen Stalle

Er zu der Pforte schon strebt, gern öffnen möchte die Riegel.

Zu den Panieren ruft er sofort die bewaffneten Scharen.

Und da er nun des Zusammenlaufs unruhig Getümmel

Durch die Miene beruhigt und Schweigen die Rechte geboten,

Spricht er: „O Waffengenossen, die ihr des Krieges Gefahren

Tausendfach mit mir erprobt, schon seit zehn Jahren gesiegt habt,

Dies verdiente das Blut, in nördlichen Fluren vergossen,

Wunden und Tod und winterlich Lager am Fuße der Alpen?

Ja, nicht anders wird Rom von gewaltigen Schrecken des Krieges

Jetzt erschüttert, als wie wenn der Punier über die Alpen,

Hannibal, käme. Ausfüllt man mit Jünglingen frisch die Kohorten,

Wälder sinken dahin für die Flotte; zu Land und zu Wasser

Wird nun Cäsar verfolgt. Wie? wenn mir die Banner gesunken

Unter unglücklichem Krieg, in den Rücken mir stürzten die wilden

Gallischen Völker daher? Doch nun, da die Gunst des Geschickes

Meine Waffen begleitet, die Götter zum Höchsten mich rufen,

Greift man uns an. Es komme der Feldherr, im Frieden verweichlicht,

Mit den plötzlichen Streitern zum Krieg, die Partei in der Toga,

Und Marcellus, der Schwätzer, und Namen voll Wind, die Catonen.

Freilich es durften die niedrigsten und die feilsten Klienten

Sättigen den Pompejus so lang mit beständiger Herrschaft;

Hält er Triumphe schon, noch eh es die Jahre gestatten?

Wird er die Ehren, die an sich er riß, nie wieder entlassen?

Klag’ ich, daß er im weiten Reich verschlossen das Kornfeld

Und in Knechtschaft den Hunger gestürzt? Dem zagenden Forum

Sich das Lager gemischt, da schaurig blinkende Schwerter

Gegen Gewohnheit im Ring die furchtsamen Richter umgaben,

Mitten in das Gesetz zu brechen wagte der Krieger,

Milo, den Angeklagten, umzingelten Fahnen des Magnus?

Nun auch, damit das Alter daheim nicht halte den Matten,

Rüstet er gräulichen Krieg, gewöhnt an heimische Zwietracht,

Tut es gelehrig dem Sulla zuvor, dem Meister des Frevels,

Und wie nimmer die Wut ablegten grausame Tiger,

Die im hyrkanischen Wald, wo dem Lager der Mütter sie folgten,

Tiefe Ströme von Blut geschlachteter Herden getrunken,

So auch dir, der gewohnt, Sullanisches Eisen zu lecken,

Bleibt, O Magnus, der Durst. Kein Blut, mit dem Munde gekostet,

Läßt je wieder den Schlund zahm werden, den einmal befleckten.

Wo denn findet so lange Gewalt noch endlich die Grenzen?

Wo ist des Frevels Maß? Von diesem Königtum lehre

Dich dein Sulla doch wenigstens herunter noch steigen.

Nach den kilikischen Räubern, des müden Politischen Königs

Schlachten, die kaum durch barbarisches Gift ihr Ende noch fanden,

Wird als letzte Provinz Cäsar dem Pompejus gegeben,

Weil ich nicht dem Befehl, zu senken die siegenden Adler,

Folgen wollte? – Wenn mir der Lohn der Mühen geraubt wird,

Gebe man diesen doch den Preis langjährigen Krieges,

Gönne dem Heer den Triumph, mit wem es sei, ohne den Feldherrn.

Wohin soll das Alter, erschöpft von Kriegen, sich flüchten?

Wo ist ein Sitz für die Ausgedienten? wo gibt man Gefilde

Unsern ergrauten Streitern zu bauen, wo Mauern den Müden?

Werden besser, O Magnus, wohl noch Seeräuber die Pflanzer?

Auf, erhebet, erhebt die längst siegreichen Paniere!

Braucht die gewonnene Macht; dem bewaffneten Heere gewährt ja

Alles, wer ihm versagte, was recht, und nicht fehlen die Götter.

Denn nicht Beute, noch Herrschaft will mein Schwert sich erjagen.

Wir befreien von den Herren die Stadt, die der Knechtschaft sich hingibt.“

Sprach ’s, doch unschlüssig Gerede in dumpfem Gemurmel nur hört man

Unter der Menge. Die heilige Scheu und die heimischen Götter

Beugen den mordverwilderten Sinn und den brausenden Zornmut.

Aber zurück ruft sie die entsetzliche Liebe des Eisens

Und vor dem Führer die Furcht. Der Hauptmann des obersten Pilums,

Lälius, der da stand mit dem Ehrenschmuck des Verdienstes,

Mit der Eichenkrone, dem Preis des geretteten Bürgers,

Ruft nun: „Ist es vergönnt, o du des römischen Namens

Höchster Lenker, und recht, aufrichtige Worte zu künden?

Daß so lange Geduld die Macht dir in Schranken gehalten,

Dies nur beklagen wir. Gebrach das Vertrauen zu uns dir?

Weil noch das heiße Blut hier bewegt die atmenden Leiber

Und die tapferen Arme Geschoß zu schwingen im Stand sind,

Duldest die feige Toga, das Reich des Senates, du fürder?

Ist denn das Elend so groß, im Bürgerkriege zu siegen?

Führ’ uns durch Skythiens Völker, wohlan, der unwirtlichen Syrte

Ufer entlang, durch des libyschen Sands erglühende Dürre.

Diese Hand, um besiegt im Rücken zu lassen den Erdkreis,

Hat mit dem Ruder gebändigt des Weltmeers brausende Wogen

Und den Rhenus besiegt, der von nordischem Gipfel herabschäumt.

Doch ein Gebot zu befolgen, erheischt so Wollen, als Können.

Mein Mitbürger ist nimmer, mit wem mich deine Trompete

Ruft in den Kampf. Bei den zehn Jahre schon glücklichen Fahnen

Und bei deinen Triumphen ob jeglichem Feinde beschwör ich’s:

Heißest du mich in des Bruders Herz, in die Kehle des Vaters

Tauchen das Schwert, in die Eingeweide der schwangeren Gattin,

Alles werd’ ich vollziehn, wenn auch mit unwilliger Rechten.

Wenn du zu plündern die Götter gebeutst, zu verbrennen die Tempel,

Mengt die Flamme des Kriegs mit unter die Münze die Götter.

Wenn ich lagern mich soll an den Wellen des tuskischen Tibris,

Komm ich kühn auf hesperischer Flur das Lager zu schlagen.

Wo du nur Mauern gedenkst herab auf den Boden zu stürzen,

Soll zu der Steine Zertrümmerung mein Arm treiben den Sturmbock,

Wäre die Stadt, die von Grund aus du zu vertilgen befohlen,

Auch Rom selber!“ Da stimmten zugleich ein alle Kohorten,

Boten zu jeglichem Kriege, zu dem er riefe, die Hände,

Hoch sie erhebend. Es steigt so mächtiger Ruf zu dem Himmel,

Wie, wenn ein thrakischer Nordsturm sich auf die Felsen des Ossa

Wirft, des fichtenumkränzten, der Wald, gekrümmt von dem Drucke,

Aufstöhnt oder nachher, indem in die Luft er zurückkehrt.

Cäsar, als er den Krieg so ganz willkommen dem Heere

Sieht und begünstigt vom Glück, damit nicht Säumnis; es hemme,

Ruft die Kohorten, die sonst zerstreut durch die Gallischen Fluren,

Auf und Rom zu eilt er mit ringsher fliegenden Fahnen.“